Gyelyong Tshogdu

 

Gyelyong Tshogdu ist die Nationalversammlung, d. h. das Unterhaus im Zweikammersystem des Parlaments (Chi Tshog) von Bhutan. Das Oberhaus ist der Nationalrat, Gyelyong Tshogde.
Eine der ersten Erneuerungen des Druk Gyalpo Jigme Dorje Wangchuck war 1953 die Schaffung eines ersten beratenden Parlaments, der Tshogdu. Diese bestand aus 140 bis zu 150 Mitgliedern. Davon wurden 105 Mitglieder indirekt von Dorfvorstehern aus einer von einflussreichen Familien der Dörfer erstellten Nominierungsliste gewählt. Passives Wahlrecht genoss jeder nicht verurteilte Bhutaner ab 25 Jahren. Weitere 35 Mitglieder wurden vom Druk Gyalpo ernannt, sowie 10 vom buddhistischen Klerus entsandt. Die Abgeordneten (Chimis) wurden für drei Jahre gewählt. Die Tshogdu tagte anfangs nur zwei Mal im Jahr im Punakha-Dzong, später im Dzong von Thimphu, und erfüllte weitgehend eine Akklamationsfunktion. Politische Parteien waren bis 2007 verboten, sodass sich auch keine reguläre Opposition ausbildete. Entscheidungen wurden in weitgehendem Konsens ausgehandelt.
Im Jahr 1959 verabschiedete die Tshogdu die Thrimzhung Chenmo, die Verfassung.
Seit 1969 wurden die Kompetenzen der Tshogdu ausgeweitet. Das königliche Veto bei Gesetzesinitiativen der Tshogdu wurde abgeschafft, der Druk Gyalpo stellte alle drei Jahre der Tshogdu die Vertrauensfrage. Darüber hinaus erhielt die Tshogdu die Kompetenz dem Druk Gyalpo mit einer Zweidrittelmehrheit das Misstrauen auszusprechen und ihn zum Rücktritt zugunsten seines Thronfolgers zu zwingen. Dazu kam es allerdings nie, da der Druk Gyalpo eine hohe Zustimmung in der Tshogdu genoss. So erhielt er im Jahr 1971 bei der zweiten Vertrauensfrage 133 der 137 anwesenden Stimmen.